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Es geht Dir doch gut....,was sollen denn die Menschen sagen, denen es wirklich schlecht geht? ...diese oder ähnlich hilflose Trostversuche haben Sie sicher schon einmal gehört. Hat es Ihnen geholfen? "Sei doch nicht so missmutig und unzufrieden, die Sonne scheint, Du bist gesund, Deine Familie ist gesund, Du hast alles, was Du Dir wünschst und bist unzufrieden? Kannst Du mir einmal sagen, was das soll?" Da hat jemand ein schlechtes Gefühl. Das ist durch rationale Überlegungen maximal zu beeinflussen, aber sicher nicht "abzuschalten" (das wäre Klasse!) . Jetzt kommt der Tröster, oder jemand, dem das Gejammer auf die Nerven geht und hält dem Leidenden seine (die des Trösters) Realität entgegen. Diese muss aber mit der Realität des Leidenden keineswegs übereinstimmen. Wahrnehmung ist subjektiv und von Mensch zu Mensch verschieden, auch wenn wir in unseren alltäglichen Kommunikationen mit unseren Sozialpartnern oft annehmen, sie erleben und fühlen genauso wie wir. Die Gefühle eines Menschen sind für ihn selbst immer real. Ein Beispiel: Stellen Sie sich vor, Sie brechen sich eines Ihrer Schienbeine, liegen im Krankenhaus und haben große Schmerzen. Ihre Freundin kommt zu Besuch und versucht, Sie zu trösten: "Na, das geht doch vorbei, in sechs Wochen kannst Du nur noch darüber lachen. Was sollen denn die Menschen sagen, die Krebs im Endstadium haben und dazu furchtbare Schmerzen. Dabei leben sie noch in der Gewissheit, dass Sie dieses Bett nie wieder gesund verlassen. Komm' schon, stell' Dich nicht so an." Vielleicht ist sie auch so freundlich, den letzten Satz wegzulassen. Geht es Ihnen jetzt besser? Können Sie Ihre Schmerzen jetzt besser aushalten? Wohl kaum. Jetzt wissen Sie auch noch, dass Sie diese Gefühle des Schmerzes aushalten oder aber nicht äußern sollen - am besten haben Sie Ihre Gefühle / Schmerzen gar nicht. Ihr Verstand sagt Ihnen, dass die Lage eines dem Tod geweihten Krebspatienten wirklich dramatischer ist als die Ihre. Nur werden Ihre Schmerzen davon nicht weniger. Sie haben jetzt zusätzlich zu Ihren Schmerzen auch noch die Gewissheit, dass Sie so wie Sie fühlen, gar nicht zu fühlen haben. Es wurde Ihnen vermittelt, dass Sie nicht in Ordnung sind. Im schlechtesten Fall haben Sie ein Schuldgefühl. Der freundliche Tröster hat, statt Ihnen ein Päckchen abzunehmen, noch eines dazu aufgeladen. Weisen Sie solche Tröster darauf hin, dass es Ihre Schmerzen, Unzufriedenheit oder traurige Stimmung nicht besser macht, wenn man Ihnen mögliche Horrorszenarien projiziert. Schlimmer geht immer! Wer will sich eigentlich anmaßen zu wissen, was für den anderen schlimm, ertragbar oder gut ist? Entlarven Sie (moralische) Überheblichkeit. Wer Ihnen wirklich helfen will, hört sich an, was Sie ihm erzählen. Falls Sie ihm nichts erzählen, wird er ihnen keine ungebetenen Ratschläge geben und Ihnen erklären, was gut für Sie ist. "Was brauchst Du jetzt? Was könnte Dir jetzt helfen? Was kann ich tun, um es Dir leichter zu machen?"....sind Reaktionen, die wirklich trösten können. Ihre Ursula Brenger Telefon: 02171-558508
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