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ZeugnisGeheime Zeichen in den Zeugnissen.... ...halte ich, gelinde ausgedrückt, für eine Verschwörungstheorie der besonderen Sorte. Manchmal kann ich die große Sorge meiner Kunden bereits durch das Telefon spüren, wenn sie mich fragen, ob ich mir einmal ihr Zeugnis ansehen und ihnen dann sagen kann, was wirklich darin steht. Sicher, es wird den Metzger irgendwann einmal gegeben haben, der seinem Gesellen oder Lehrling bescheinigt hat: Er war ehrlich bis auf die Knochen und damit ausdrücken wollte, dass dieser Knochen geklaut hat. Möglicherweise hat es auch einmal Zeugnis-Katharer gegeben, die sich über geheime Zeichen, wie Punkte in der oberen linken Ecke, verständigt haben. Ich habe schon hunderte von Zeugnissen geschrieben und wesentlich mehr gelesen. Niemals bin ich einem dieser Zeugnis-Gralsritter begegnet. Allerdings habe ich schon viele Zeugnisse gelesen, welchen anzusehen war, dass Vorgesetzte um eine sachgerechte Ausdrucksweise redlich bemüht, aber eher wenig erfolgreich waren. Grundsätzlich gilt:
Ein Sehr gut wird häufig immer noch mit ....erfüllte seine Aufgaben stets zu unserer vollsten Zufriedenheit...codiert. Das ist aber m.E. schlechtes Deutsch. Den Superlativ vollsten gibt es nicht. Entweder etwas ist voll oder eben nicht. Zu unserer höchsten oder einfach nur zur vollen Zufriedenheit...wird diese Floskel hoffentlich bald ablösen. Große Betriebe und Institutionen haben ihre eigenen Formulierungen. Hier wird ein Sehr gut z. B. mit entsprach in vollem Umfang den Anforderungen beschrieben. Meistens werden hier auch von den Vorgesetzten zunächst Noten verteilt, die dann von Personalern mit feststehenden Satzbausteinen umformuliert werden. Ich bin überhaupt keine Freundin von Kreuzchen und feststehenden Formulierungen, weil sie letztlich dem Menschen, seiner Individualität und seiner geleisteten Arbeit nicht wirklich gerecht werden. Aber ich muss zugestehen, dass man bei Einführung dieser Abfragemethode um ein Höchstmaß an Gerechtigkeit bemüht war. So könnte ein Vorgesetzter virtuos im Umgang mit dem geschriebenen Wort sein, ein anderer eher nicht. Auf diese Weise wird aber gewährleistet, dass Mitarbeiter eines Betriebes möglichst gerecht beurteilt werden (soweit das überhaupt möglich ist). In besonders guten Zeugnissen steht nach der Beschreibung der Aufgaben evtl. noch ein Satz, der wie folgt beginnen könnte: Besonders hervorzuheben ist / sind ..... Wird Ihnen im Schlusssatz für die gute Mitarbeit gedankt und ein Bedauern ausgedrückt, dass man Sie verliert, vielleicht noch verbunden mit guten Wünschen für die Zukunft, können Sie sicher sein, dass zumindest die Absicht, Ihnen ein sehr gutes Zeugnis auszustellen, vorhanden war. Auf den ersten Blick erkenne ich ein gutes Zeugnis an seiner Länge. Sind es nur wenige Sätze, die auf einer DIN A4 -Seite Platz haben, handelt es sich in der Regel um ein eher weniger gutes Zeugnis. Gute Zeugnisse haben zwei, selten auch drei und mehr DIN A4 - Seiten. Es ist auch ein Irrtum zu glauben, Vorgesetzte wären verpflichtet, ein gutes Zeugnis ausschreiben. Es muss allerdings wohlwollend formuliert sein. Das heißt konkret: Nicht erlaubt ist, zu schreiben:Frau B. war ausgesprochen faul. War der Arbeitseinsatz mangelhaft, ist es sinnvoll, ihn einfach nicht zu beurteilen. Gegen die Formulierung bemühte sich, die tatsächlich in dem ein oder anderen eher mäßigen Zeugnis auftaucht, sollten Sie sich wehren (oder, wenn Sie Arbeitgeber sind, sollten Sie diese Formulierung vermeiden). Das heißt dann wirklich, dass es bei Bemühungen um Ergebnisse welcher Art auch immer geblieben ist. Der Folgebetrieb, dem durch einen Mitarbeiter Schaden entstanden ist, kann gegen den Zeugnisaussteller Regressansprüche geltend machen, wenn diesem Mitarbeiter wider besseres Wissen ein zu gutes Zeugnis ausgestellt und er vom Folgebetrieb aufgrund dieses Zeugnisses eingestellt wurde. Jeder Vorgesetzte ist gut beraten, in einem Zeugnis bei der (wenn auch subjektiven) Wahrheit zu bleiben. Wenn Sie unsicher sind, wie genau Ihre Beurteilung ausgefallen ist, lassen Sie diese von einem Personaler lesen und ggf. einen Gegenentwurf anfertigen. Mir ist kein Fall bekannt, in welchem es bei der Um- und Durchsetzung von Zeugnisänderungen unlösbare Schwierigkeiten gegeben hätte. Gleiches gilt für Vorgesetzte, die in einem Betrieb ohne Personalreferenten arbeiten: Lassen Sie Ihre Zeugnisse von einem Profi schreiben. Zeugnisse dokumentieren die Handlungskompetenz eines Lebens und sind für den einzelnen Mitarbeiter oft die einzige bleibende Anerkennung langjähriger vertrauensvoller Zusammenarbeit und bei alledem auch eine Visitenkarte Ihres Betriebes. Ihre Ursula Brenger Telefon: 02171-558508
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